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Der Zukunftsbauer

Jens Rott ist Architekt und Leiter des Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamtes Neubrandenburg
Baureferendariat; Karriere in der Bauverwaltung MV © Christian Hoffmann Bild größer
Wir bauen MV! © Christian Hoffmann
Was war deine Motivation für das Baureferendariat?
Magnetisch angezogen hat mich 2008, der Neubau des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems durch die Sonderbauleitung in Greifswald. Wichtig war mir, die strukturierte Ausbildung zur Führungskraft im Bauwesen, die Perspektive Verantwortung an großen, komplexen und qualitätvollen Projekten arbeiten zu können.

Wenn du deine berufliche Laufbahn Revue passieren lässt, was waren deine größten Meilensteine? Und was deine spannendsten Bauprojekte?
Neben dem Studium habe ich in einer Zimmerei gejobbt und in Architekturbüros Modellbau betrieben und Wettbewerbe geschrubbt, hier waren die Erfolge und Misserfolge ziemlich unmittelbar sichtbar. Danach bin ich gezielt in die Denkmalpflege und dann in die Bauleitung. Das rückt aber alles immer weiter in den Hintergrund, auch wenn ich dabei heute noch wichtige Fähigkeiten erworben habe. Mein heutiges berufliches Selbstverständnis habe ich in der Landesbauverwaltung entwickelt.

Nach dem Referendariat war ich zunächst für das gesamte Facility-Management des Landes verantwortlich und habe dann das Immoblienportfolio Mecklenburg-Vorpommerns betreut. Hier habe ich mit den liegenschaftlichen Belangen eine wichtige Begründung zur Gerichtsstrukturreform geliefert.

Mit der Gründung des Geschäftsbereichs Hochschul- und Klinikbau in Rostock habe ich einerseits den Planungsbereich für die Universitäten übernommen und anderseits auch einige Bauvorhaben umgesetzt. Zu den Bauprojekten, die ich erledigt habe, gehört die Sanierung des Historischen Instituts in und den Lohmeyercampus oder das CFunGene Greifswald, die Sanierung von Haus 1 der Hochschule Neubrandenburg oder die Neubauten Chemie und E-Technikum auf dem Südstadtcampus in Rostock.

Zu den besonders schönen Aufgaben gehörte die Durchführung der Internationalen Architekturwettbewerbe für das Archäologisches Landesmuseum und das Ulmicum sowie die operative Betreuung zahlreicher Kunst-am-Bau Wettbewerbe und natürlich auch in verschiedenen Wettbewerbsjurys Mitglied.

In der Rückschau auf meine Laufbahn konnte ich mich kontinuierlich mit meinen neuen Aufgaben entwickeln, so hatte ich zunächst auf meinem ersten Dienstposten vier Mitarbeiter, aktuell sind es einhundertfünfzehn.

Von den fachlichen Tätigkeiten als Architekt habe ich mich mittlerweile sehr weit entfernt, im Vordergrund steht die Arbeit mit den Menschen, die mir von meinen Dienstherren anvertraut sind. Dabei war es nicht immer ganz einfach, die Verantwortung für das operative Gelingen loszulassen. Mittlerweile bin ich sehr gut damit gefahren, meinen Teams den Erfolg zuzutrauen und meinen Mitarbeitern großes Vertrauen entgegenzubringen. Der Kern unseres Architektenberufs ist der Entwurf und der Bau, das verändert auch das Referendariat oder die Arbeit für einen großen institutionellen Bauherren nicht.

Auf einer abstrakten Ebene besteht ja kein großer Unterschied darin und es bedarf der gleichen Fähigkeiten. Ob ich selbst den Bleistift schwinge oder die Arbeiten von Kollegen in einem Wettbewerb bewerte oder ob ich auf der Baustelle als Bauleiter über das Gerüst tobe oder die maßgeblichen und kostenwirksamen Bauherrenentscheidungen treffe.

Wenn du die Mittel hättest, welches Bauprojekt würdest du im Land umsetzen?
Ganz klar: die noch zu gründende TU MV ;-)
Einem verheißungsvollen und weltoffenen Ort, an der Architekt:innen und Ingenieur:innen aller Fachrichtungen ausgebildet werden, um den - dringend benötigtem - technischen Nachwuchs zu stellen, der das Land dabei helfen wird, eine führende Rolle in der KI-Entwicklung einzunehmen.

Wenn es so etwas wie ein Leitspruch für dein Tun gäbe, welcher wäre das?
„Ändere die Welt;
Sie braucht es.“
Bertolt Brecht.

Wenn du die Welt von oben anschaust, was ist dein imposantestes Bauwerk?
Es geht mir bei Bauwerken weniger um den visuellen, architektonischen Effekt oder den perfekten Grundriss, sondern um die persönliche Beziehung, die Geschichte, die mich mit etwas verbindet.

Naja, das imposanteste Bauwerk, was mir zu der Frage einfällt, ist das Opernhaus im Hafen von Sydney, hier habe ich mich vor etlichen Jahren als Austauschschüler in einen Keller verirrt, und dort einen Planschrank mit alten Blaupausen von Jørn Utzon entdeckt, das war auf jeden Fall eine sehr erhabene Erfahrung, die mich vielleicht auch zu meinem Studium geführt hat. Später habe ich dann mal für Schinkels Altes Museum in Berlin Werkpläne gezeichnet, da wird man dann sehr eng mit so einem Haus.

Wenn du einen Fortschritt im Baugeschehen maßgeblich beeinflussen könntest, welcher wäre das?
Die großen Themen der Zukunft auf dem Bau werden von der geringer werdenden Manpower bei Ausführung und Planung und dem präziseren Einsatz verknappter Ressourcen bestimmt sein. Die Staatsbauverwaltung wird, wie die gesamte Bauproduktion, sich verstärkt mit dem Einsatz von Robotik im Bauwesen und KI in Planung und Entwurf engagieren. Konkreter arbeiten wir schon an modularen Bauprojekten und innovativen Beschaffungs- und Vergabeverfahren.

Wir haben jetzt schon große Möglichkeiten im Rahmen der BIM-Implementierung Einfluss zu nehmen. Wir haben mit der Umsetzung deutliche Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung des Bauprojektmanagements und zur Qualitätsverbesserung.

Trotz allem technologischen Fortschritt ist Kommunikation der Schlüssel zur Lösung aller Themen, die die fachliche Arbeit und die Menschenführung angeht. Am Schluss bleibt immer nur, miteinander zu reden, auch wenn sich die Bühne ändert.

Wie lautet deine Lebensphilosophie?
In allem, was ich tue, handle ich mutig und gelassen. Als Vorgesetzter ist es meine Aufgabe, der Aufregung, die uns umgibt, Ruhe und Klarheit entgegenzusetzen, das erfordert eine eindeutige innere Haltung.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, welcher wäre das?
Flexibler Beton ;-)
Nein, ganz ehrlich, wenn ich den jetzt verrate, geht er ja nicht in Erfüllung.